Drama mit Hanns Zischler und Sandra Hüller, in dem Thomas Mann und Tochter Erika 1949 ins Nachkriegsdeutschland reisen.
Handlung und Hintergrund
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrt der Literaturnobelpreisträger Thomas Mann (Hanns Zischler) 1949 erstmals in das Land zurück, aus dem er einst ins Exil gezwungen wurde. Gemeinsam mit seiner Tochter Erika Mann (Sandra Hüller), Schauspielerin, Autorin und scharfzüngige Kabarettistin, reist er durch ein zerstörtes Deutschland. Die Route führt von Frankfurt in der amerikanischen Besatzungszone bis ins sowjetisch kontrollierte Weimar. Anlass ist das Goethe-Jubiläum. Auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenze hofft man auf versöhnliche Worte des berühmtesten deutschen Schriftstellers seiner Zeit.
Zwischen offiziellen Empfängen, ideologischen Vereinnahmungsversuchen und offenen Anfeindungen wird Thomas Mann zum moralischen Prüfstein einer Nation im Umbruch. Während Generäle, Funktionäre und Kulturerben um seine Zustimmung buhlen, spitzt sich im Hintergrund ein leises, aber tiefgreifendes Familiendrama zu. Für Erika und ihren Vater wird die Reise zu einer schonungslosen Konfrontation mit Schuld, Verantwortung und der eigenen Vergangenheit – und zu einem Blick in die verwundete deutsche Seele.
Mit „Vaterland“ knüpft Regisseur Paweł Pawlikowski an seine großen Nachkriegserzählungen an. Nach dem Oscar-prämierten „Ida“ und dem vielfach ausgezeichneten „Cold War – Der Breitengrad der Liebe“ verdichtet er historische Realität und intime Familiengeschichte zu einem 82-minütigen Drama. Der Film wurde bei den 79. Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2026 mit dem Preis für die Beste Regie ausgezeichnet. Pawlikowski interessiert weniger das historische Protokoll als das Spannungsfeld zwischen Kunst und Politik – und wie tief dieses in die deutsche Nachkriegsgeschichte eingeschrieben ist.
Hanns Zischler („München“) verkörpert Thomas Mann als distanzierte, zugleich verletzliche Autorität. Sandra Hüller („Anatomie eines Falls“) gibt Erika Mann als wache Beobachterin und emotionale Gegenkraft. Ergänzt wird das Ensemble durch August Diehl („Das weiße Band“), Devid Striesow („Im Westen nichts Neues“), Joachim Meyerhoff („Alle anderen“), Fritzi Haberlandt („Babylon Berlin“), Milan Peschel („Halt auf freier Strecke“) und Enno Trebs („Der ganz große Traum“).
„Vaterland“ feiert seine Deutschlandpremiere am 27. Juni 2026 als Eröffnungsfilm des Filmfest München. Der bundesweite Kinostart ist für den 3. September 2026 angesetzt, verliehen von Neue Visionen Filmverleih. Der Film erhielt die FSK 0.